Sturmreiterinnen, Nebeltänzerinnen


Nach einem schweren Regen steigen die Nebel auf. Wie so oft im Berg. Streichen den Felsen entlang, verflüchtigen sich, tanzen lautlos im Wind. Turbulenzen. 

Es gab eine Zeit, da hatten sie Namen, und Gesichter. Ich denke zurück an alte Sagen, von nackten Frauen, die im Gewölk durch die Berge zogen. Nebelweiber, Wetterhexen. Einst, in heidnischer Zeit, hiessen sie Walachûriun. Schicksalsfrauen, die die Toten kürten. In weissen Schwanengewändern flogen sie über den Schwarzwald, liessen sich an klaren Seen nieder, um nackt und in Menschengestalt zu baden. Hagel und Blitze sendend zogen sie mit nordischen Kriegern in die Schlacht, in einsamen Augenblicken zeigten sie sich ihnen – um ihnen ihr Schicksal zu verkünden. 

Sturmreiterinnen, Nebeltänzerinnen. Turbulenzen des Werdenden. 



Im Toossen vun Wassren...


Im Toossen vun Wassren, im Sprätzlen vum Fiir
Im Rüschen vun Wääldren, im Chroosen vum Iisch
Im Hoiren vun Wättren, im Schwiigen vum See
Im Rüünen vun Hiisren, im Polen vum Blüod

Was der Rabe ruft...

Früher Bergsommer. Nebel streichen den Wänden entlang, die Felsen stechen schwarz aus den Schneefeldern. Ein Bub ist unterwegs, mit seinem Vater, den Hirtstock fest in der Hand. Plötzlich hört man einen dumpfen, krächzenden Ruf, und wie Schatten lösen sich zwei Kolkraben von der Silhouette des Bergwaldes. "Hugin und Munin", meint der Vater selbstversunken. Der Bub staunt mit grossen Augen in den grauen Himmel. 

Er wird nach Hause gehen und sich in die Bücher stürzen. Und über die Raben lesen und ihren dunklen Herrn, den Wuodan. Über all die anderen Geister und Wesen und Götter. Und Jahre später wieder hier oben stehen, mit dunklem Bier und einem selbstgeschnitzten Horn. Um auf seine Ahnen zu trinken, und die wilden Götter, die sie einst in dieses Land geführt hatten.